Wir bitten die Bundesregierung, Maßnahmen zur Stärkung demokratischer Entscheidungsprozesse in Unternehmen und mögliche Förderprogramme* für entsprechende Transformationen zu diskutieren. Eine konkrete Maßnahme wäre z.B. die Pflicht, eine Bilanz im Sinne der Gemeinwohlökonomie zu erstellen. Diese berücksichtigt Aspekte der Partizipation und Demokratie. Das wäre durch eine einfache Änderung des CSR-RUG (CSR Richtlinien-Umsetzungsgesetz) möglich.
BegründungLegitimation: Unternehmen finanzieren durch ihre Spenden oft wichtige öffentliche Güter (wie Bildung) und beeinflussen die öffentliche Meinung, ohne demokratisch dafür gewählt worden zu sein (Legitimitätsdefizit). Vor diesem Hintergrund ist es mehr als verwunderlich, dass wir in der Governance von Unternehmen nicht mehr Demokratie fordern! Wir leben quasi in einer "halbierten Demokratie".
Mitentscheidungsrecht: Nicht nur das Top Management und die Shareholder haben einen legitimen Anspruch auf Mitentscheidung, sondern auch andere Anspruchsgruppen (sog. Stakeholder) wie Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder lokale Gemeinden, denn sie sind von den Aktivitäten des Unternehmen positiv wie negativ direkt betroffen.
Wohlergehen und Produktivität: Studien zu Demokratie in Unternehmen zeigen, dass Partizipation viele positive Effekte auf die Mitarbeiter*innen hat (z.B. mehr Zufriedenheit und Motivation einerseits, weniger Stress andererseits). Das heißt: Mitarbeiter*innen werden nicht nur glücklicher, sondern auch produktiver. Das ist gut für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft!
Entscheidungen: Durch die vielfältige Informationsbasis, auf der Entscheidungen getroffen werden, können Unternehmen sozial verantwortlicher und nachhaltiger werden. Während aktuell bei Entscheidungen häufig Profiterwägungen im Vordergrund stehen, würden demokratischere Strukturen dazu führen, dass die Bedürfnisse und Präferenzen von verschiedenen Anspruchsgruppen mehr Gehör finden.
Spillover Effekt: Wer regelmäßig bei der Arbeit mitentscheidet, pflegt seine demokratische Selbstwirksamkeit. Dies führt zu einem Übertrag ins private Leben in Form einer erhöhten demokratischen Verantwortungsübernahme, gesteigerter Solidarität und demokratischer Selbstwirksamkeitserwartung. Unternehmensdemokratie kann damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung unserer gesellschaftlichen Demokratie leisten.
Fazit: Demokratie in Unternehmen ist eine längst notwendige Transformation!
Wir stehen mit diesen Ansichten übrigens nicht alleine da: Führende europäische Wissenschaftler wie Andrew Crane, Andreas Georg Scherer oder Wolfgang Weber argumentieren seit Jahren, dass eine “Internalisierung von Demokratie in Unternehmen” ein unausweichlicher Schritt ist. Nicht zuletzt ist gerade jetzt im Verlauf und bei der anschließend notwendigen Aufarbeitung der Corona Krise die Demokratisierung der Unternehmen und der Arbeit eine großartige Chance, unsere Gesellschaft zu einem besseren Ort für uns alle zu machen. So, wie es jüngst auch der Baseler Professor Jens Nachtwey im Spiegel schrieb: “Die Regierung wird wahrscheinlich viele Unternehmen retten müssen. Dann kann und sollte man sie allerdings auch demokratisieren.”
Anmerkung: *Die unternehmensdemokraten würden sich als Beratungsunternehmen explizit von einer solchen Förderung ausschließen.
Weiterführende InformationenHier ein Link zur Vollversion der Petition mit ausführlicherer Begründung und wissenschaftlichen Quellenangaben:
https://unternehmensdemokraten.de/2020/04/09/petitionsentwurf-mehr-demokratie-in-unternehmen/
die unternehmensdemokraten, Berlin
Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag: Kontaktiere mich gerne, wenn du dich offline zu diesem Vorschlag austauschen möchtest. Für mich wäre dies möglich in:Berlin und Mannheim
Hallo Unternehmensdemokraten,
wie schön, dass Du Olympia mitgestalten möchtest und Dich auf der Plattform so aktiv beteiligst!
Uns ist aufgefallen, dass Dein Petitionsvorschlag dem von “michael.kox” sehr ähnelt (Link: https://petitionen.12062020.de/budgets/1/investments/235). Nutzt doch unsere Möglichkeit, Euch miteinander zu vernetzen und gemeinsam an nur einem Vorschlag weiterzuarbeiten (z.B. über unseren Slack-Workspace: https://join.slack.com/t/12062020-petitionen/shared_invite/zt-d2liymt2-hVEU9Cvs9P6ZuNVEckGIlw). Zusammen sind wir stärker als allein :)
Um die Plattform so übersichtlich wie möglich zu gestalten, würden wir Euch gerne bitten, einen Eurer beiden Vorschläge zu löschen, wenn Ihr zu einer gemeinsamen Lösung gekommen seid.
Vielen Dank!
Dein Olympia-Moderationsteam
Hi Ihr Lieben,
wir sind jetzt dabei und gehen in die Klärung. Danke für den Slack Hinweis - kennen wir natürlich. Wir arbeiten seit geraumer Zeit damit :-)
Ich finde es gut, dass es hiermit eine Petition zu mehr Demokratie in Unternehmen gibt. Es gibt allerdings eine Sache, die aus meiner Sicht in einer solchen Petition ausdrücklich genannt werden sollte und die fehlt: dass zumindest eine größere Diskussion, besser aber ein konkreter Prozess in Gang gesetzt werden soll zur Weiterentwicklung der Unternehmensmitbestimmung, die in Deutschland über den Aufsichtsrat (der u.a. den Unternehmensvorstand wählt) erfolgt.
Ich beschäftige mich schon länger mit Ansätzen der Unternehmensmitbestimmung bei Großunternehmen, bei denen es neben Anteilseignern und Beschäftigten mindestens noch eine dritte Gruppe gibt. Material hierzu:
- In https://mitbestimmung.info ist ein Einführungstext von mir, in dem unter anderen Ansätze verschiedener Organisationen und Autoren sind.
- Zu 4 grundlegenden Punkten gibt es einen Text von Goliathwatch (wo ich aktiv bin): https://goliathwatch.de/wp-content/uploads/2019/05/20190430-mitbestimmung-gw.pdf