Ökologisch nachhaltige Baustoffe müssen günstiger und umweltschädliche teurer werden, damit sich endlich eine klimafreundliche und langfristig CO2-neutrale Bauweise durchsetzen kann. Dazu müssen die ökologischen Konsequenzen und daraus resultierenden Kosten von Baustoffen in deren Preise einfließen. Die zusätzlichen Einnahmen aus dem Aufpreis auf umweltschädliche Materialien werden für den Ausgleich ökologischer Folgen und für die Förderung umwelt- und klimafreundlicher Materialien genutzt.
BegründungAufgrund ihrer niedrigen Preise kommen aktuell vorrangig ressourcenintensive, umweltbelastende und nicht wiederverwertbare Baumaterialien zum Einsatz. Die aktuellen Marktpreise umwelt- und klimaschädlicher Bauprodukte sind so niedrig, da sie nicht die Kosten und Konsequenzen abdecken, die langfristig durch Produktion und Nutzung entstehen. Dazu gehören u.a. Entsorgungskosten auf Sonderdeponien, Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen und Umweltbelastung durch CO2-Ausstoß und Giftstoffe. Die daraus resultierenden finanziellen und ökologischen Konsequenzen tragen aktuell weder Verursacher*innen noch Verbraucher*innen, sondern werden stattdessen auf die Umwelt und zukünftige Generationen abgewälzt.
Der Bausektor in Deutschland ist mit Abstand der Wirtschaftszweig mit dem größten Ressourcen- und Energieverbrauch sowie mit der massivsten Müllerzeugung. So verursachen Gebäude ca. 40% des nationalen CO2-Ausstoßes, 90% der mineralischen, nicht nachwachsenden Rohstoffe fließen in die Baustoffproduktion und mit ca. 54% des anfallenden Abfalls trägt der Bausektor den größten Anteil unseres Müllaufkommens. Der Wandel im Bauwesen spielt also eine wesentliche Rolle, wenn wir die für uns überlebenswichtigen Klimaziele noch einhalten wollen!
Als Architects for Future wollen wir den wichtigen Einfluss der Baubranche auf Umwelt und Klima positiv nutzen und die Baubranche nachhaltig ausrichten und verändern. Daher fordern wir, dass alle durch Baumaterialien verursachten ökologischen Konsequenzen und daraus resultierenden Folgekosten in die Marktpreise von Bauprodukten einfließen müssen. Wichtig ist, dass hierbei alle Faktoren und Zusammenhänge der Umweltverträglichkeit des gesamten Lebenszyklus, angefangen bei der Rohstoffgewinnung über Transportwege bis hin zu Wiederverwertbarkeit und Entsorgungsaufwand, berücksichtigt werden.
Eine ökologisch realistische Berechnung der Materialpreise führt dazu, dass umweltschädliche Baustoffe weniger zum Einsatz kommen und sich klimafreundliche und wiederverwertbare Baustoffe auf dem Markt durchsetzen können. Billiges Bauen zulasten von Umwelt, Klima und zukünftiger Generationen gehört dann endlich der Vergangenheit an.
*Unser Expert*innenrat "Klima und Biodiversität" hat für diese Petition ihre Wild Card vergeben. Hier waren sich die Expert*innen einig: diese Petition hat riesiges Potential und gehört direkt in den Bundestag. Diese Petition gehört damit schon jetzt zu den 13 finalen Petitionen, die wir gemeinsam einreichen wollen.
Weiterführende InformationenWir - ArchitectsForFuture - sind Teil der FridaysForFuture-Bewegung und überwiegend in der Baubranche beschäftigt. Mehr Infos auf https://www.architects4future.de/ueber-uns
Quellen zum Verbrauch des Bausektors: https://www.dbu.de/phpTemplates/publikationen/pdf/101214024519cr9s.pdf https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/abfallaufkommen#bau-abbruchgewerbe-und-bergbauabfalle https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlterabfallarten/bauabfaelle
Architects For Future e.V.
Kontaktiere mich gerne zu diesen Vorschlag: Kontaktiere mich gerne, wenn du dich offline zu diesem Vorschlag austauschen möchtest. Für mich wäre dies möglich in:Berlin
genauso wichtig wäre auch der klimaneutrae STraßen- und Tiefbau (Stichwort Sand). Soweit ich weiß ist nicht nur der Preis so wichtig, sondern auch die Aufnahme in die entsprechenden bautechnischen Bestimmungen
Die Formulierung bezieht auch den Tiefbau mit ein.
noch sinnvoller ist es einfach WENIGER zu bauen! Menschen müssen sich mal in ihrem Platzbedarf beschränken! Wir können uns keine weiteren Flächenversiegelungen mehr leisten, weil wir die Ackerflächen für den Anbau von Nahrungsmitteln benötigen, wenn der Klimawandel zur Migration aus den unbewohnbar gewordenen Gebieten führt.
Wenn Baustoffe teurer werden, wird automatisch auch weniger gebaut, soweit nicht (wie in manchen Städten) das verfügbare Bauland der begrenzende Faktor ist.
Werner Mockenhaupt
Die Frage der zukünftigen Landverfügbarkeit
stellt sich mir grundsätzlich.
Wer soll/darf wie wann wie viel Land zu
welchen Zwecken besitzen oder nutzen.
@Stefan - wenn es keine klimaneutrale Bauweise gibt, gibt es auch keine solche Sanierung. Ich gehe davon aus, dass alles was wir tun klimaneutral möglich ist. Die Definition ist da entscheidend. Wenn echte Ausgleichsflächen und CO2 bindende Massnahmen erfolgen wird Bauen mit Ökoprodukten günstiger als herkömmliches Bauen. Ich halte den Ansatz mit einer Verpflichtung zu erneuerbaren Energien wie in der Petition (Verpflichtung zu energetisch autarkem Bauen) gefordert für einen gangbaren Weg. Kurzfristig sind andere Dinge notwendig, aber wir dürfen das langfristige nicht vernachlässigen.
Vielen Dank für den Kommentar! Vermutlich würde sich auch kurzfristig viel im Bauwesen ändern, wenn sich klimaschädliches Bauen wirtschaftlich nicht mehr lohnen würde. Andere Maßnahmen sind aber sicher zusätzlich auch sinnvoll und notwendig!
Es gibt keine CO2-neutrale Bauweise, nur nicht-bauen ist CO2-neutral. Gebäude werden dann nachhaltig, wenn sie 100 und mehr Jahre genutzt werden. Ich schlage vor, zuallererst alle 20 Mio. Bestandsgebäude im Betrieb klimaneutral zu sanieren, hier brennt das Dach. Wenn wir das irgendwann geschafft haben sollten, dann kommen die grauen Emissionen dran.
Dann wird dir unsere Petition "Verstand einschalten - Baubestand erhalten!" gefallen.
Die steht aber nicht zur Abstimmung zur Verfügung...
Vielen Dank für den Kommentar! Auch für klimafreundliches Sanieren ist es wichtig, dass ökologisch nachhaltige Materialien bezahlbar werden, damit nicht mehr vorrangig billige klimaschädliche Baustoffe zum Einsatz kommen.
Ein wesentlicher Faktor umwelt- und vor allem klimaschädlicher Baustoffe ist der Zement und dessen energieintensive Herstellung. Hier gibt es aber Möglichkeiten, diesen anders herzustellen, die aber noch technisch in die Massenproduktion umgesetzt werden müssen und bei höherem Anteil erneuerbarer Energien Sinn machen. Für Baustahl gilt ähnliches. Beton wird dadurch teurer, Holz kann in manchen Anwendungen dadurch wettbewerbsfähig werden, aber die grundlegenden Möglichkeiten, (auch) mit Stahlbeton zu bauen, würden nicht in Frage gestellt.